Briefwechsel zwischen den Alt Herren-Jungs
Stuttgart, den 15. November 1998.
Ich grüsse Dich, Torgeir!
Die Jungs hier sind deutlich ballsicherer als unsere Spieler in Nordlyng, alle
sind balltechnisch gut. Wenn man nicht ballsicher ist und den Ball oft
verliert, ist man hier nicht sehr beliebt. Dann bekommst du wenig Pässe.
Dagegen wird man hier nicht sehr eng gedeckt, außer vor dem Tor. Die
Fähigkeit zu laufen, ist sehr variabel, einige sind sehr laufbereit, aber die
Hälfte läuft weniger als die Alt-Herren beim Training in Nordlyng - naja, es
ist ja auch dort variabel. Aber es kommt fast nie vor daß jemand den Ball
verdribbelt, es ist wirklich wahr. Das ist ja bei uns Nordlyng-Jungs eine
hoffnungslose Sache, dort verdribbeln ja die meisten von den "Besten" den Ball
die ganze Zeit, ohne dass sie sich bemühen, an einen Paß an einen freien
Mitspieler zu denken, wenn sie der Meinung sind, es sind schlechtere Spieler
als sie selbst.
Die Pässe in unseren Trainingseinheiten gehen fast nie an einem Gegner. Alle
sind ballsicher, und schlagen gute und sichere Pässe. Daß mit die
Paßsicherheit hängt ja doch auch damit zusammen, dass die Deckung mangelhaft
ist. Man wird ja so müde, wenn man um jemand zu decken einem nachläuft, dann
hat man keine Puste mehr um im Angriff zu stürmen!
Fussballgrüsse von Odd
Oslo, den 19. November 1998.
Ich grüsse Dich, Odd!
Wir haben jetzt wieder angefangen Samtags in der Halle zu trainieren. In
der Halle gibt's viele Leute, und eine hohe Intensität beim Training.
Ich bin deiner Meinung, wenn es darum geht, mit dem Ball allein
zu laufen, bis man sich verdribbelt, statt einen Pass, an einen der sich
in einer besseren Position befindet, zu schicken. Das ist eine Unkultur,
die aus dem Kinderfussball stammt. Dieser Kultur ist sehr stark
eingeprägt worden. Man macht eine Auswertung der Passalternativen die es
momentan gibt, und wenn man der Meinung ist, diese Spieler sind
schlechtere Spieler, als man selbst ist, dann wählt man den Ball zu
behalten.
Ein Trainer hat erzählt, daß sein Sohn nach Hause gekommen ist, und
erzählte, dass sein Trainer ihn zur Seite genommen hat, und unter vier
Augen gesagt hat, dass es einige Spieler gibt, an die er nicht
abspielen sollte. Selbstverständlich die schlechtesten Spieler im Team.
Solche Haltungen werden viel von dem Spass beim Spiel verderben, und ist
vielleicht ein Grund, dass viele Fussballteams sich
auflösen, wenn die Spieler 14 bis 17 Jahre alt geworden sind. Man hat's
ja dann satt, dass einige Spieler die ganze Zeit zeigen, dass sie sich
als Könige fühlen.
Ich war ja das letze Jahr beteiligt, ein 14-Jähriger-Team zu
trainieren. Es handelt sich um ein siebenköpfiges Team, das ja
eigentlich das zweite Team ist. Es ist erstaunlich zu sehen, wie gern
sie den Mitspieler anspielen, wenn sie zusammen mit dem Ersten Team
trainieren, und wie schwierig es fällt, wann sie nicht zusammen mit dem
Ersten Team trainieren.
Der Grund, dass sowas passiert, glaube ich, ist, dass wir uns an ein
früheren Zeitpunkt nicht genug um ein variables und homogenes Pass-Spiel
bemüht haben. Wir sind nicht gut genug gewesen, zu dem Zeitpunkt als wir
mit dem Fussballspiel angefangen haben, alle in dem Team gleichmässig
ins Spiel zu bringen. Wir haben einige einfache Siege bekommen, als wir
klein waren, und jetzt, wo wir grösser geworden sind, schaffen wir es
nicht, diese Haltung abzulegen.
An dem was du schreibst, ist deutlich zu erkennen, dass sie damit
grösseren Erfolg in Stuttgart haben, und vielleicht auch in Deutschland
generell.
Ich wünsche Dir einen schönen Tag!
Grüsse von Torgeir.
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Die Deutschen sind keine Zimperliesen. In diesem tiefen Schnee hat das Alt-Herren-Team von Stuttgart-West, mit Spielern bis zum Alter von 52 Jahren trainiert. Ein armer Norweger hat nach kurzer Zeit total steife Muskeln bekommen.
Gucken Sie sich auf dem Bild auch das Club-Haus an, dort gibt's Umkleidekabinen und eine Kegelbahn im Keller. Eine Kiste mit Bier mit 5,1% Alkoholgehalt vor und nach dem Duschen, und Bier und Wein in der Club-Kneipe danach. Das bringt ein gutes Milieu!
Kürzlich hat hier die Stuttgarter Zeitung von einer Gruppe von Spielern erzählt, die einmal in der Woche die letzten 50 Jahre zusammen Fussball trainiert haben. "Man muss nicht unbedingt so viel laufen, falls man es nicht schafft," sagt einer von ihnen, ein 73-Jähriger, "aber ich spiele immer mit, wenn ich nur imstande bin zu gehen."
Norwegischer Text
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